Sturmflut, Windstau und Tide: Wasserstände an der Küste
Eine Tide ist die regelmäßig wiederkehrende Hebung und Senkung des Meeresspiegels, vor allem durch die Anziehungskräfte von Mond und Sonne. Ein Sturm kann den Wasserstand zusätzlich anheben. Gezeiten und Wetterwirkung ergeben zusammen den beobachteten Gesamtwasserstand. Eine Sturmflut bezeichnet ein entsprechend erhöhtes Küstenhochwasser, nicht allein den zusätzlichen Sturmanteil.
Sturmanteil und Gesamtwasserstand
Die NOAA unterscheidet zwischen storm surge und storm tide: Der erste Begriff bezeichnet den Anstieg über die vorhergesagte astronomische Tide hinaus; der zweite den gesamten beobachteten Wasserstand während des Sturms, also die Kombination aus Sturmanteil und Tide. Die englischen Begriffe sind nicht mit deutschen Warnklassen gleichzusetzen. Hamburg erläutert die BSH-Einteilung für die deutsche Nordseeküste: Ab 1,5 Metern über dem mittleren Hochwasser (MHW) spricht das BSH von einer Sturmflut. Dieser Bezug unterscheidet sich von der astronomischen Vorhersage für ein einzelnes Ereignis. Windstau beschreibt den wetterbedingten Unterschied gegenüber der astronomischen Wasserstandsvorhersage.
Der Sturmanteil wird vor allem durch Wind verursacht, der Wasser zur Küste drückt. Wie stark dieser Anstieg an einem bestimmten Ort ausfällt, hängt unter anderem von Küstenform und Meeresbodentiefe sowie Zugbahn, Größe, Stärke und Geschwindigkeit des Sturms ab. Die astronomische Tide läuft daneben weiter. Wenn ein Sturm mit einer ohnehin hohen Tide zusammenfällt, kann der Gesamtwasserstand deshalb höher sein als durch den Sturmanteil allein.
Was eine Meldung aussagt
Eine Vorhersage oder Warnmeldung bezieht sich auf einen Ort, einen Zeitraum und eine definierte Bezugsgröße. Achten Sie darauf, ob der angegebene Wert den zusätzlichen Sturmanteil, den erwarteten Gesamtwasserstand oder eine amtliche Warnstufe bezeichnet. Warnstufen sind orts- und zuständigkeitsabhängig; sie sollten nicht aus einer allgemeinen Definition abgeleitet werden.
Für Reise- oder Hafenentscheidungen sind aktuelle Hinweise der zuständigen Behörde maßgeblich. Aus dem Wort „Sturmflut“ allein lässt sich weder der Wasserstand an jedem Küstenort noch die konkrete Auswirkung auf ein Schiff oder einen Hafen ableiten.