Gezeiten und Gezeitenstrom: Wasserstand und horizontale Bewegung
Gezeiten verändern den Meeresspiegel auf und ab. Gezeitenströme bewegen Wasser dagegen seitwärts, zum Beispiel in eine Bucht hinein oder hinaus. Beides hängt mit dem Tidezyklus zusammen, ist aber nicht dieselbe Messgröße und erreicht seine stärksten Phasen nicht zwingend gleichzeitig.
Tidehöhe und Tidenhub
Die Tide ist eine lange Welle, die durch die Kräfte von Mond und Sonne entsteht und sich vom offenen Meer zu den Küsten fortpflanzt. Wenn ihr höchster Teil einen Ort erreicht, ist dort Hochwasser; am niedrigsten Teil Niedrigwasser. Der Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser heißt Tidenhub. Er beschreibt eine vertikale Veränderung der Wasseroberfläche, keine Fließgeschwindigkeit.
Flutstrom, Ebbstrom und Stauwasser
Mit dem steigenden Wasser bewegt sich Wasser vielerorts landeinwärts: Das ist der Flutstrom. Beim Fallen fließt es in Gegenrichtung als Ebbstrom. Zwischen dem Ende der einen und dem Beginn der anderen Stromrichtung kann eine Phase mit besonders schwacher Bewegung liegen, die als Stauwasser bezeichnet wird. Das ist nicht einfach ein anderer Name für Hoch- oder Niedrigwasser.
Die örtlichen Zeiten und Stärken unterscheiden sich. Die Tidewelle läuft entlang von Küsten und in Buchten; Engstellen und Mündungen können die Strömung verstärken. Deshalb lässt sich die Zeit des Hochwassers an einem Ort nicht ohne Weiteres als Zeitpunkt des stärksten Stroms an einem anderen Ort verwenden.
Warum beide Angaben wichtig sind
Für die Einschätzung einer Küstenroute beantwortet der Wasserstand eine andere Frage als die Strömung: Er zeigt, wie hoch die Wasseroberfläche steht; die Strömungsangabe beschreibt Richtung und Geschwindigkeit der horizontalen Bewegung. Lokale Gezeitentafeln und Stromvorhersagen sollten deshalb für den jeweiligen Ort und Zeitraum gelesen werden. Eine Tidehöhe allein sagt nicht aus, wie stark das Wasser gerade fließt.