Aktuelle Nachrichten
Genua prüft Kreuzfahrtnutzung für das Sech-Terminal
Hafenplan hält mehrere Nutzungen offen
Der Hafen von Genua prüft eine mögliche Kreuzfahrtfunktion für das Sech-Terminal. Nach einem Bericht von Shipping Italy vom 27. Oktober geht es dabei um eine Option im neuen Hafenplan, der bei der zuständigen Hafenbehörde noch in Arbeit ist und bislang vertraulich behandelt wird. Eine Umwandlung des heutigen Containerterminals ist nicht beschlossen.
Matteo Paroli, Präsident der Hafenbehörde des westligurischen Hafensystems, stellte die möglichen Nutzungen nach Angaben der Zeitung bei einer Anhörung im Umwelt- und Gebietsausschuss des Regionalrats vor. Der Plan könne die Sech-Fläche für die bestehende Containerfunktion oder für Ro-Pax-Verkehr vorsehen. Erst wenn sich die Nutzung künftig ändern müsse, solle die Hafenbehörde entscheiden. Als mögliche Zeitpunkte nannte Paroli das reguläre Ende der bestehenden Konzession im Jahr 2047, einen Verzicht des heutigen Betreibers oder einen Widerruf aus übergeordnetem öffentlichem Interesse.
Nur im Ro-Pax-Szenario käme laut Parolis Darstellung zusätzlich eine Liegeplatzfunktion für große Kreuzfahrtschiffe in Betracht. Er begründete die Prüfung mit den Abmessungen neuerer Schiffe: Manche Kreuzfahrtschiffe benötigten inzwischen nahezu 12,5 Meter Tiefgang; im heutigen Hafen seien dafür nicht überall ausreichende Wassertiefen vorhanden.
Entscheidung hängt auch mit PSA Pra’ zusammen
Die Sech-Frage ist mit der Zukunft des ebenfalls von PSA betriebenen Containerterminals Genova Pra’ verknüpft. Paroli beschrieb eine Verlängerung des westlichen Endes der dortigen Kaimauer um etwa 200 Meter als bevorzugte Lösung, um einen weiteren Liegeplatz für Vollcontainerschiffe zu schaffen. Das wäre nach seiner Darstellung wirtschaftlich aufwendiger, weil auch die äußere Schutzmole verlegt werden müsste.
Gegen diese Variante hätten sich bereits örtliche Komitees in Pra’ und die Gemeinde ausgesprochen. Die Hafenbehörde prüfe deshalb auch eine andere Möglichkeit: rund 90.000 Quadratmeter aufzuschütten und als Fläche für Leercontainer zu nutzen. Shipping Italy schreibt, der Streit um Genova Pra’ könne einen Verzicht oder Widerruf der Sech-Konzession erleichtern. Die Entscheidung über diese Entwicklung steht noch aus.
Heutige Terminals und künftige Hafenplanung
Kreuzfahrtreisende nutzen in Genua heute die Terminals Ponte dei Mille und Ponte Andrea Doria. Die Lage des jeweiligen Anlegers bestimmt die Anfahrt zum Schiff. Eine spätere zusätzliche Anlegemöglichkeit am Sech-Terminal hängt von den planerischen Entscheidungen und der technischen Eignung für die vorgesehenen Schiffe ab.
Der Widerstand betrifft zudem nicht nur Hafenflächen, sondern Beschäftigte und bestehende Nutzungsrechte. Luca Becce, Präsident der Genueser Terminalbetreiber und PSA-Manager, kritisierte die öffentliche Diskussion über Sech. Er verwies laut Shipping Italy auf 270 Beschäftigte, Investitionen am Terminal und die bestehende Konzession. Damit stehen der möglichen Anpassung der Hafenflächen konkrete Interessen des heutigen Betriebs und seiner Belegschaft gegenüber.
Für die Kreuzfahrtstrategie Genuas wäre eine spätere Sech-Nutzung also Teil einer größeren Neuordnung: Sie hängt von der Entwicklung in Pra’, vom künftigen Hafenplan, von der Konzession und von den technischen Voraussetzungen für große Schiffe ab. Bis die Hafenbehörde diese Punkte entschieden hat, bleibt die Kreuzfahrtfunktion eine Planoption.